Ein Buch beim Restaurator

Ein spannendes Projekt war die fotografische Begleitung der Restaurierung eines Buchs aus dem 16. Jahrhundert. Es handelte sich um die unbebilderte Ausgabe eines "Sachsenspiegels", die Christof Zobel mit Kommentaren und Ergänzungen versehen 1560 veröffentlichte, und die sich im Besitz der Bibliothek des Museums Nienburg/Weser befindet. Es enthält handschriftliche Anmerkungen zu diversen Textstellen in mittelalterlicher Schrift, was diesem Exemplar einen besonderen Wert verleiht.

 

Das Buch befand sich in einem sehr schlechten Zustand, die Jahrhunderte hatten ihre Spuren in Form von Wasserschäden, Schimmel, Mäusefrass und anderer Schäden hinterlassen. 

Stefan Schubert, Buchbindermeister im Handwerk und Restaurator, nahm sich des Patienten in seiner Buchklinik an. Dabei wurde, wann immer möglich, darauf geachtet, mit historischen Methoden und Materialien zu arbeiten. 

 

Zunächst wurde der Buchblock zerlegt. Die einzelnen Seiten wurden manuell gereinigt und anschließend gewässert. Nachdem die Seiten wieder getrocknet waren, wurden die Fehlstellen und Seitenränder mit feinem Japanpapier stabilisiert bzw. ausgebessert - eine richtig langwierige Sisyphusarbeit. Dabei wurde besonders darauf geachtet, dass nicht zuviel von den handschriftlichen Notizen verloren ging. Anschließend wurden die Blätter gepresst und die Seitenränder dann wieder in Blockform geschnitten. Der nächste Arbeitsschritt war das Heften des Buchblocks, was Stefan Schubert natürlich per Hand und mit Nadel und Faden erledigte, ganz so wie die Buchbinder vor 400 Jahren.

 

Beim Buchdeckel mussten Teile des Holzes ergänzt werden, und auch das Leder des Einbandes wurde ergänzt, wobei immer die oberste Prämisse galt, soviel vom Ur-Material zu erhalten wie möglich. Ziel war eben nicht eine Restaurierung, die das Alter des Buchs und seine Geschichte verschleiert und es gar wie neu aussehen lässt. Schließlich bekam der alte Sachsenspiegel noch eigens angefertigte Schließen. Die Originalschließen waren irgendwann verloren gegangen, aber zu einem Buch von diesem Format gehören einfach Schließen. 

 

Mir war es wichtig, die einzelnen Arbeitsschritte zu dokumentieren und die Wertigkeit der Handarbeit dabei herauszuarbeiten. Schließlich entstand aus den Bildern ein Vortrag, mit dem der Sachsenspiegel anschließend wieder der Öffentlichkeit präsentiert wurde. 

 

Vielen Dank an

 

Stefan Schubert

Buchbindermeister im Handwerk und Buchschließenrestaurator

Ginsterweg 1

31595 Steyerberg

schubert[at]buchschliessen.de