Blog #1 Die renovierte Website

Bislang konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich auch irgendwann mal mit einem Blog beginnen würde. Aber der Umbau der Homepage und die zahlreichen Überlegungen und Infragestellungen, die mich in der Zeit davor umgetrieben haben, haben mir gezeigt, dass es doch so einige Themen gibt, über die ich gern schreiben würde.  Ich hab manchmal einfach zu viele Gedanken im Kopf, die dann auch raus wollen! 

 

Es ist wohl ganz normal, dass einen ab und zu Zweifel am Sinn und Zweck dessen, was man tut, befallen. Dass man zutiefst unzufrieden ist. So ging es mir in den letzten Monaten zunehmen mit der Fotografie. Ja, diese Krisen gab es schon öfter in den letzten Jahren. Und ja, die kennt jeder, der auf die eine oder andere Weise versucht, künstlerisch durchs Leben zu laufen. Und ja, fast immer entsteht daraus schließlich etwas Neues, meist auch Besseres. Aber trotzdem, erst muss man sich darauf einlassen und sich durch diese ganzen Zweifel und Selbstzweifel quälen. *seufz* 

Wieso fotografiere ich? Was sollen all diese Fotos? Welchen Sinn machen sie?

Und warum weiß ich keinen Grund und kann trotzdem nicht aufhören?

Nach einer durchaus aufreibenden Nabelschau wurde mir klar, dass meiner Fotografie ein innerer Zusammenhalt fehlt, der auch nach außen sichtbar ist. Oder vielleicht war er auch da, nur ich konnte ihn nicht sehen? Das ist noch keine Antwort auf meine Frage nach dem Warum, aber es ist vielleicht ein Schritt mehr auf der Suche nach einem Weg für mich. Wie auch immer, ich fand, es ist an der Zeit, in alles ein bisschen mehr Struktur und Ordnung zu bringen. Ich brauche einfach ein bisschen mehr SEX and Balance!

  

Nein, keinesfalls das, woran ihr jetzt vielleicht denkt, nee, nee!

Ich denke hier an den alten Tipp von Ken Rockwell für das besseres Foto, für eine bessere Fotografie: „Composition is all about Simplicity, SEX and Balance.“ SEX steht abkürzend für Simplification und EXklusion. Wenn ein Foto nicht gut genug ist, räum es auf, nimm unwichtige Dinge weg, mach es einfacher, simplifiziere, schließe aus und bring den Rest in Balance! Andere Fotografen haben das weniger polemisch formuliert und neu ist das auch nicht. Aber es ist ein guter Tipp, wie ich nach wie vor finde.  

So habe ich mich auf die Suche nach einem roten Faden zwischen all meinen Bildern gemacht. Und daraus entstand der Wunsch, diesen Prozeß auch auf meiner Homepage sichtbar zu machen. Vor sechs Jahren hatte ich sie angelegt als eine Art öffentliches Album, wo ich alle meine besten Fotos zusammentragen wollte. Wie eine virtuelle bunte Grabbelkiste – alles rein da! Und bitte keine Rubrik und kein Fotogenre auslassen!

 

Doch mit den Jahren uferte es aus, wurde unübersichtlich und war letztendlich doch nur eine wenig aussagekräftige Ansammlung von Einzelbildern. Ohne Konzept. Ohne Zusammenhang. Ohne Seele.

 

 

Schaut man sich bei den erfolgreichen Fotografen um, so stellt man fest, dass sie sich alle irgendwann auf ein Gebiet festgelegt haben. Und dort ihr Bestes abliefern. Niemand ist auf allen Gebieten der Fotografie gleich gut. Ich habe also versucht, alles runterzubrechen, in der Hoffnung, meinen Kern des Ganzen zu finden. Nabelschau eben!

 

Ich habe mir die gesamte alte Seite vorgenommen und ausgemistet, sortiert, reduziert, vereinfacht, um eine neue, andere Ordnung zu finden. Ein Prozess, der mir nicht leicht gefallen ist, denn zum einen standen über allem immer die Fragen: Was macht meine Fotografie eigentlich aus? Wo bin ich hinter diesem Bild? Zum anderen bergen viele Bilder auch Erinnerungen und sind manchmal wie Babys, die man nun aussortieren soll? Dieser Vorgang ist noch immer nicht ganz abgeschlossen. 

 

Es gibt keine Rubrik Pflanzenwelt, sortiert nach Jahreszeiten, mehr. Oder eine Galerie Tierwelt, unterteilt in die verschiedenen Lebensformen. Keine Architektur mehr, keine Makrofotografie. Stattdessen habe ich nach einem übergeordneten Muster gesucht, nach meinem Muster. Warum fotografiere ich? Was ist es, was mich immer wieder zur Kamera greifen lässt wie eine Süchtige?

 

Kater Bono hat's mit Geduld ertragen. Vermutlich wusste er die ganze Zeit schon mehr als ich!

Die neue Struktur! Jetzt gibt es vier Schwerpunkte: Stillleben, impressionistische Natur, Landschaften und Abstraktes. Dazu ein bisschen Katze, weil ohne Katze geht ja gar nicht!  Die Rubrik Landschaften ist noch ein wenig wackelig, vielleicht wird sie ganz verschwinden? Oder in die neue Rubrik Stories hinüberwechseln? Die Stories sollen mir den Raum geben, einzelne kleinere Fotoserien und ihren Kontext zu zeigen.

 

Die Verbindung zwischen diesen Rubriken sind die Themen Licht und Erzählen. Denn was mich schon immer fasziniert hat, seit ich mit der Fotografie angefangen habe, sind Fotos, die über das bloße Abbilden, über das bloße Dokumentieren hinausgehen. Bilder, die Geschichten und Emotionen erzählen. Oder den Betrachter ermutigen, seine eigenen Geschichten in den Bildern zu finden.

  

Diesen Aspekt finde ich für mich momentan in den Stillleben wieder. Aber auch in den Möglichkeiten, die mir alte Objektive bieten: Aufnahmen zu machen, die das Auge für einen Augenblick festhalten und zum Verweilen einladen. Der wahre Geschichtenerzähler hinter jedem Foto ist jedoch immer das Licht. Ob es um akzentuierte Lichtinzenierungen bei den Stillleben geht, um das Licht, das Stimmungen in Landschaften zaubert oder aus Blütenfotos florale Träume machen. 

Das Licht, Scheherazade der Fotografie, und photoGina, Jägerin des Lichts.

Ach, danke der Nachfrage, aber ansonsten geht’s mir gut!  *lach*

Das Licht macht das Bild! Und der Fotograf oder die Fotografin muss dieses Licht beherrschen, muss damit spielen können, es einsetzen, es lesen, sich ihm unterwerfen, mit ihm arbeiten … um ihre Geschichte zu erzählen. Oder die Geschichte des Motivs. Oder die Geschichte des Betrachters.

 

Storytelling geht in der Fotografie auf zwei Weisen. Entweder das Bild selbst erzählt. Oder man gibt dem Bild ein Potenzial an Raum und Farben mit, damit sich mittels der Phantasie des Betrachters eine Geschichte entwickeln kann. Vielleicht manchmal konkret und manchmal vielleicht ganz unkonkret und nur gefühlt.

Ah, ich merke schon … ich fange an, zu fabulieren. Dann will ich lieber hier und für dieses Mal Schluss machen. Und keine Angst, ich werde nun nicht regelmäßig hier lange, gedankenschwere Texte veröffentlichen. Im Gegenteil! Was ich meinen zukünftigen Blog-Lesern verspreche - insofern ich überhaupt welche haben werde – ich verspreche, dass dies keine Regelmäßigkeit werden wird.

 

Ich verspreche, dass ich nur dann schreibe, wenn mich etwas bewegt und ich das Gefühl habe, dass ich genau das nun aufschreiben muss. Das kann zweimal in einer Nacht sein oder kein einziges Mal in drei Monaten. Ich verspreche Unregelmäßigkeit. Denn erzwungene Regelmäßigkeit birgt nur das Risiko, unwichtigen Dingen mehr Platz einzuräumen als sie es wert sind. Und ich kenne mich, Zwang führt bei mir nur zu Abneigung. Das Herz muss dabei sein und der unabdingbare innere Wunsch. Nix sonst!

 

Ich wünsche euch Spaß mit meiner neuen Website. Ich werde die Galerien immer wieder mit neuen Bildern füllen, damit das Ganze nicht zu langweilig wird auf Dauer. Nehmt euch einen Kaffee oder zwei, macht es euch gemütlich und schaut euch um! Oder nehmt die Kamera und geht raus und fangt eure eigenen Geschichten mit Licht und mit eurem Herzen, eurer Seele …

 

Danke fürs Lesen und liebe Grüße

Regina | photoGina

 


Quellen und Inspiration:

https://www.kenrockwell.com/tech/composition.htm

 

Meike Fischer: Der rote Faden. Neue Fotoprojekte konzipieren und verwirklichen. Heidelberg: dpunkt.verlag, 2018

 


Ich freue mich hier natürlich über jeden Kommentar und jeden Gedanken zu meinen Gedanken! 

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Kommentare: 2
  • #1

    Eine Blogleserin mit Namen "Dörte" (Sonntag, 07 Juli 2019 00:41)

    Liebe Regina,
    ich habe das Gefühl, "belesene und akademische" Worte finden zu müssen, die meine Hochachtung vor deinen Bildern und Texten deutlich werden lassen.
    (Das ist Teil meiner Biografie, die ich jetzt mal kurz außer Acht lasse :-))
    Mir gefallen deine Gedankentexte. Ich halte sie für mutig, lustig, augenzwinkernd und doch ernst. Eine wunderbare Mischung. Du lässt uns teilhaben an Denkwirbeln, in denen sich der ein oder andere vielleicht sogar wiedererkennt. Ich jedenfalls tue es. Und last but not least findest du eine Lösung: Eine aufgeräumte, sehr ansprechende Internetseite, auf der ich gerne wieder herumstöbern werde.

  • #2

    Antje (Sonntag, 14 Juli 2019 20:29)

    Liebe Regina,

    deine Worte berühren mich ebenso wie deine Bilder. Danke, dass du uns an deinen Gedanken teilhaben lässt. Das, was deine Bilder eindeutig charakterisiert ist eben die Spielerei mit Licht, deine Bilder haben Herz und Seele und sie erzählen Geschichten. Genau das gefällt mir in der heutigen Bilderflut. Ich wünschte, ich könnte auch so sehen, könnte das Licht so einfangen. Einfach toll. Das ist eine Gabe. Ich wünsche dir, dass du deinen neuem Weg gehst und zufrieden bist.
    Liebe Grüße von Herzen
    Antje