Blog #2 Die eigene Ausstellung

Seit dem letzten Blog-Artikel ist inzwischen mehr Zeit vergangen als ich erwartet oder geplant hatte. Die Fragen, um die sich dort alles drehte, sind für mich immer noch aktuell. Welchen Sinn macht meine Fotografie – für mich, für andere? Und die letzten Monate standen unter dem Motto, einfach mal ein paar Schritte in eine der vielen möglichen Richtungen zu versuchen. Und somit meine Leidenschaft „Fotografie“ einfach mal auf einer anderen Ebene zu erfahren, aus einer anderen Perspektive zu erleben und zu erfassen.

Wie kann es weitergehen? Wo kann es hinführen? Welcher Weg passt zu mir?

Keine Ahnung, was die Faszination dahinter ist, aber der Traum vieler Künstler und Künstlerinnen, die sich ihrer Leidenschaft voll verschreiben, ist der Gang in die Öffentlichkeit. Irgendwann ist der Punkt erreicht, da wollen die Werke anscheinend ans Licht, nach draußen, angesehen werden. Und Facebook, Instagram oder die Website genügen nicht mehr.

 

Es bereitet einem Bauchschmerzen, man erwartet nervös die Reaktionen eines Publikums („Wird man überhaupt ein Publikum haben???“), man möchte der Situation am liebsten wieder entgehen, sich verstecken … und doch treibt es einen, den Schritt zu wagen.

Warum ist das so reizvoll? Warum möchte man seine Kunst mit anderen teilen?

Nun hatte ich schon mal eine „eigene“ Ausstellung und weiß ein bisschen wie sich das anfühlt, wenn die eigenen Bilder öffentlich gezeigt werden. Diese Ausstellung hatte ein vorgegebenes Thema und war in eine größere, museale Sonderausstellung eingebunden. Sie war also keine fotografische Standortbestimmung für mich. Aber gut hat es sich angefühlt! Und mir kamen meine Bilder an den Wänden wie liebe Freunde vor, die mir jedes Mal beim Vorbeigehen verschwörerisch zuzwinkerten! Okay, normal klingt das nicht, aber so fühlte es sich in etwa an! 

 

 

Nochmal etwas ganz anderes ist es, wenn man sich bzw. seine Arbeit so zeigen kann, wie man sie empfindet, ohne irgendwelche Auflagen von außen. Völlig selbstbestimmt muss man sich damit auseinandersetzen, was man präsentieren möchte und wo man selbst den Schwerpunkt oder den Kern des eigenen künstlerischen Schaffens sieht. Oder fühlt. Es ist eine intensive Nabelschau!

 

Der erste Schritt geschah Anfang des Jahres ganz spontan. Bei einem Besuch in einem Hof-Café. Ich war dort schon mehrmals gewesen und wusste, dass immer wechselnde Ausstellungen von Künstlern gezeigt werden. Ohne Planung, ohne groß zu überlegen habe ich einfach gefragt. In solchen Momenten beweist sich plötzlich auch der Wert einer eigenen Website. Ich konnte ein paar Bilder zeigen. Und siehe da, die Betreiberin des Cafés, Tanja Hanauer, war von meinen Stillleben angetan.  Uff …

 

Mit so einer Aussicht geht man plötzlich wieder ganz anders an seine Herzensleidenschaft heran. Man hinterfragt seine Bilder aufgrund ganz anderer Faktoren. Und das ist auch gut so. Es bringt frische Standpunkte und Blickwinkel zutage.

Im Laufe des Spätfrühlings wurde es konkreter. Treffen zur genaueren Planung fanden statt. Dazu gehört auf jeden Fall, dass man Maß nimmt, um ein Gefühl für die Größe der Bilder und ihre Wirkung im Raum zu bekommen. Sinn macht es ebenfalls, den Raum bzw. die Wände zu fotografieren, so dass man zuhause in Ruhe überlegen kann, wo z. B. Quer- und Hochformate am besten wirken würden, oder welche architektonischen Besonderheiten des Raumes man aufgreifen möchte oder beachten muss (Fenster, Türen, Hinweisschilder, die nicht abgedeckt werden dürfen u. ä.).

 

Dann die Kernfrage:

Was GENAU will ich eigentlich zeigen?

Was bin ich fotografisch gesehen momentan? Wo stehe ich denn gerade?

Ich entschied ich mich gegen Blümchen, Naturimpressionen und Abstraktes. Es sollte das Metier sein, welches im Moment meine fotografische Arbeit besonders dominiert: die Stillleben! Genauer gesagt, die "Küchenstillleben" mit ihren Motiven aus der Welt der Beeren und des Gemüses. Also Motive, die mit ihrem ländlich angehauchtem Stil wunderbar zum Ambiente und der Atmosphäre des Hof-Cafés mit seinem alten Fachwerk passen würden. Auch dies war mir wichtig! Die Wirkung von Bildern hängt immer auch von ihrer Präsentation und ihrer Platzierung in einem Raum ab.  

 

Soweit so gut! Und nun? Welche Größe soll's denn sein? Und welche der zahlreichen Druckmöglichkeiten wählen?

Da so gut wie alle Bilder neu gedruckt werden mussten, hatte ich auch hier die Qual der Wahl oder eben alle Möglichkeiten. Die Entscheidung fiel auf eine durchgehend einheitliche, nicht zu kleine Größe, damit die Wände nicht zu unruhig, die Bilder aber auch nicht zu winzig wirken. Nur ein XXL-Format bekam einen zentralen Platz über einem Sofa.

 

Und Leinwanddrucke sollten es werden. Sie sind relativ gut zu handhaben und haben den Vorteil, dass ein zusätzliches Rahmen entfällt. Sie passen meiner Meinung nach auch hervorragend zum Ambiente des Hauses und - was das Allerwichtigste ist - zu den Bildern, die ja schon ein wenig an alte Gemälde erinnern. Nicht jedes Foto entfaltet auf Leinwand seine volle Wirkung, aber bei den Stillleben wirkt es stimmig.

 

Nun die Motivauswahl ... ach du lieber Himmel ... Okay, das würde jetzt hier zu weit führen.

 

Keine Ahnung, wie oft ich Konzept um Konzept verworfen habe. Aber irgendwann war eine Zusammenstellung von zwanzig Motiven aus Hunderten von Möglichkeiten ausgewählt. Zusätzlich sollte es noch kleine quadratische Bildformate geben, die sich gut als Mitbringsel, als Geschenk oder als Erinnerung an den Besuch im Café eignen würden.

 

Bestellt … gezittert ... schlaflose Nacht ... Lieferung ... ausgepackt … durchgeatmet!

Das Spiel von Schatten und Licht in meinen Stillleben produziert viele große dunkle Bereiche und die sind ein Problem beim Druck. Ich muss die Bilder immer grundsätzlich um deutliche ein bis zwei Stufen aufhellen, so dass sie schon fast nicht mehr wie „meine“ Bilder aussehen, wenn ich sie zum Druck gebe. Und so ist die Spannung jedes Mal groß! Aber diesmal hat es bis auf ein, zwei Ausnahmen gut funktioniert.

Also erstmal alle Drucke im Zimmer aufgestellt und geschaut, ob die Bilder, die später nebeneinander hängen sollen, auch wirklich zueinander passen. Man sollte Bilder immer in kleinen Gruppen sehen oder denken. Nachbarbilder sollten vom Motiv her, aber auch von den Farben und, quasi die Kür, sogar vom Bildaufbau her miteinander korrespondieren.

 

Kater Bono hat den ersten kritischen Besucher gemimt. Läuft!

 

Jetzt kommt ein bisschen Handwerkstätigkeit. Jedes Bild braucht ja schließlich noch eine Aufhängung. Und jedes Bild braucht natürlich auch einen Titel und ein kleines Namensschildchen. Außerdem habe ich eine Art "Legende" zu jedem Bild angefertigt, welches Auskunft über Urheber, Kontaktdaten, Bildtitel, Größe, Material etc. gibt.

 

Und was mir dann immer viel zu spät einfällt: Man muss sich ja noch Gedanken über Werbung machen! Wenn es keiner weiß, wie soll dann jemand kommen? Also rasch noch Handzettel entworfen und versucht, medial Aufmerksamkeit zu erzeugen. Bei alldem war Tanja Hanauer vom Café eine entscheidende Hilfe und übernahm einen Hauptteil dieser Arbeit. Man sollte meinen, in der heutigen digitalen, vernetzten Welt ist das doch alles nicht so schwer. Aber von allein läuft eben gar nichts.

 

Wenn irgendwann alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, steht die nächste Herausforderung auf dem Programm: nämlich alles sicher im Auto zu verstauen. „Künstlertransporte photoGina“ … und ab zum Ausstellungsort.

 

Das Hängen ging dank der Planung recht schnell. Trotzdem war es gut, dass ein paar zusätzliche Bilder als Reserve im Auto waren. Manchmal muss man auch spontan umentscheiden können.  

 

Und zack ... alles fertig!  Nun hängen sie und können von jedem angeschaut werden, beäugt werden, ignoriert werden, gelobt werden, verrissen werden! Ein bisschen ist, es als hätte man seine Kinder irgendwo ausgesetzt und beobachtet aus dem Hintergrund, was nun passiert.

 

Dann kommen die schönen Momente, wenn alle zufrieden sind. Wenn das eine oder andere Lob kommt. Oder auch Kritik. Man macht „Fehler“, stellt fest, dass man bei den Handzetteln einfach zu knauserig war, oder dass ein oder zwei Plakate hier und da vielleicht auch eine gute Idee gewesen wären.  Lernen fürs nächste Mal!

Interessant ist es, wenn man erzählt, dass man aktuell eine Ausstellung hat: „Schau, da hängen gerade meine Bilder.“ Die Reaktionen sind immer deutlich anerkennender und interessierter, als wenn man erwähnt, dass man seine Bilder bei Facebook oder Insta zeigt. Eine Ausstellung bzw. man selbst als ausstellende Künstlerin wird scheinbar ernster genommen. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Bilder aus der digitalen Welt heraus in eine greifbare, haptische Realität kommen und nun „anfassbarer“ d.h. „begreifbarer“ werden?

 

Also lautet mein Fazit: Traut euch!

Es ist eine Erfahrung, die es wert ist, an einem bestimmten Punkt der eigenen fotografischen bzw. künstlerischen Entwicklung gemacht zu werden. Man bezahlt Lehrgeld und gewinnt Erkenntnisse. Und das ist unbezahlbar. Es macht durchaus auch viel Arbeit und verursacht Kosten, die durch Verkäufe nicht wieder reinkommen - diese Illusion sollte man sich gar nicht erst machen. Trotzdem ist eine eigene Ausstellung unbezahlbar für die eigene Entwicklung. Man knüpft neue Kontakte, bekommt neuen, anderen Input. Es entsteht Bewegung.

Hat es mich weitergebracht auf meinem Weg der Fragen und Selbstzweifel? Dieses Jahr ist meine Kreativität hauptsächlich in Dinge und Überlegungen geflossen, die mit dem Umfeld der Fotografie zu tun haben, und leider nur selten in die Fotografie an sich. Und hier bin ich durchaus auch kritisch. Das eigentliche kreative Moment der Fotografie ist definitiv viel zu kurz gekommen und das fehlt mir. Und auch das ist eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte!

An dieser Stelle nochmals einen ganz großen Dank an Tanja und Andreas, die es schaffen, in ihrem Café eine wunderbar entspannte Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, und Künstlern und Künstlerinnen die Möglichkeit geben, diesen schönen Ort zum Präsentieren ihrer Werke zu nutzen! Danke für eure Hilfe und Unterstützung!!! Und ganz nebenbei ... Kaffee, Kuchen und Torten der beiden sind einfach eine Wucht! 😉

Meine Ausstellung ist übrigens noch bis zum 27. Oktober zu sehen und am letzten Tag wird es eine kleine Finissage geben, zu der jeder herzlich willkommen ist. Wer also Lust hat, der kann einfach vorbeischauen, oder er nimmt Kontakt auf und wir treffen uns dort bei meinen Bildern!

 

Danke fürs Lesen und liebe Grüße

Regina | photoGina

Dat gesellige Hus

Zur Krümme 1

31632 Schessinghausen

 

05027 949477

Öffnungszeiten:

Freitag bis Sonntag

14 bis 18 Uhr



Ich freue mich hier natürlich über jeden Kommentar und jeden Gedanken zu meinen Gedanken! 

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